Bus fahren in Seoul

Bus fahren in Seoul – eine Gewöhnungssache

In diesem Artikel möchte ich vom Bus fahren in Seoul erzählen.

Wie schon in dem Beitrag über das U-Bahnsystem beschrieben, besitzt Seoul ein sehr ausgeprägtes Verkehrsnetz und dazu gehören auch die Autobusse in Seoul. Nicht nur unzählige Taxis, die am Straßenrand auf Kundschaft warten, füllen das Stadtbild, sondern viele bunte Busse tummeln sich auf den Straßen.

Es brauchte einige Zeit, bis ich mich dem Wirrwarr der Busse in Seoul anvertraute, denn es gibt extrem viele Buslinien. Wie soll man sich damit zurechtfinden? Oft sind die Aushänge zum Fahrplan, die nicht gerade im Touristenkern bereit gestellt werden, leider auch nur auf Koreanisch, sodass Lesen der Pläne ohne ein paar Koreanisch-Grundlagen sehr erschwert ist. Durchsagen und Anzeigen in den Bussen sind jedoch mittlerweile auch in Englisch.

Busroute zum Namsan
Busroute zum Namsan

Möchtet ihr mit dem Bus zum Tagesziel gelangen, solltet ihr euch mit Apps oder Google bereits in eurer Unterkunft informieren. Zumindest mache ich es immer so, da ich für unterwegs kein Internet habe – außer ich finde einen Hotspot.

Allgemein:

Im Stadtkern von Seoul fahren die Busse alle 5 – 15 Minuten. Je weiter man sich jedoch davon entfernt, variieren die Wartezeiten. In den Hauptverkehrszeiten sollte man dennoch mehr Zeit einplanen, weil Busse an Haltestellen vorbeifahren, wenn sie voll sind. Nach Mitternacht pausiert der Bus-Verkehr und einige wenige Nachtbusse (beginnen mit dem Buchstaben N vor der Zahl gekennzeichnet) nehmen den Dienst auf – fahren aber nur sehr selten. Gegen Morgen wird es dann auf den Straßen Seouls wieder voller und bunte Bussen schmücken das Stadtbild. Die Farbe der Busse haben bestimmte Bedeutungen.

Blaue Busse (3-stellige Busnummern)

Sie fahren schneller, überwinden eine größere Distanz innerhalb der Stadt und verbinden die äußeren Stadtgebiete mit der Innenstadt. Sie fahren Haltestellen an, die weiter auseinander liegen und sind somit schneller unterwegs als gelbe oder grüne Busse. Diese Busse werden von der Stadtverwaltung organisiert.
Das Blau soll die Farbe des Himmels und des Hangangs präsentieren und symbolisiert den Frieden und die Sicherheit in Seoul.
Grob zur Orientierung:
1. Zahl der Busnummer gibt den Abfahrts- Stadtteil des Busses an.
2. Zahl der Busnummer gibt das Ziel der Busroute an.
3. Zahl ist die eigentliche Busnummer.

Grüne Busse (4-stellige Busnummer)

Grüne Busse werden von privaten Busunternehmen betrieben. In den meisten Fällen fahren sie größere U-Bahnstationen und Busbahnhöfen an.
Die grüne Farbe steht für die Berge rund Seoul.
Grob zur Orientierung:
1. Zahl der Busnummer gibt den Abfahrts- Stadtteil des Busses an.
2. Zahl der Busnummer gibt das Ziel der Busroute an.
3. Zahl ist die eigentliche Busnummer.

Gelbe Busse (2-stellige Busnummer)

Gelbe Busse sind kleiner und fahren verschiedene Stadteile an. Sie steuern Stationen der blauen Busse, U-Bahnstationen, Geschäfte sowie Touristen- und Einkaufsgebiete an. Sie fahren langsamer und haben kürzere Wegstrecken.
Die gelbe Farbe soll das dynamische und freundliche Image der Stadt zeigen.

Rote Busse

Rot bedeutet Express. Schnellbusse sind in Seoul in der Regel rot. Um schnell eine größere Distanz auf den Straßen Seouls zurückzulegen, sind die Expressbusse die beste Wahl. Sie haben für längere Fahrten gemütlichere Sitze und die Möglichkeit die Rückenlehne etwas nach hinten zu stellen. Da diese Busse auf den Schnellstraßen und Autobahnen fahren, gilt deswegen die Anschnallpflicht. Um die Vorstädte von Seoul schnellstmöglich und bequem zu erreichen, sind sie optimal. Man sollte jedoch wissen, dass man rote Busse an den Haltestellen heranwinken muss, weil sie sonst an einem vorbei fahren.
Die rote Farbe soll die Energie der Geschwindigkeit darstellen.
Grob zur Orientierung:
1. Zahl beginnt immer mit der Nummer 9
2. Zahl der Busnummer gibt den Abfahrts- Stadtteil des Busses an.
3. Zahl ist die Busnummer.

Maeul Busse (kleine Stadtbusse)

Maeul Busse sind kleiner und kreisen in kleinen oft engen oder bergigen Stadtvierteln. Sie sind wegen ihrer kleinen Bauart leicht zu erkennen und passen außerdem durch Straßen, die andere Busse nicht befahren können.

Airportbusse (Flughafenbusse)

City Air Limousine - Flughafenbusse
City Air Limousine – Flughafenbusse

Die Airport Busse oder auch Air City Limousinen sind den Expressbussen von der Ausstattung recht ähnlich. Sie fahren vom Flughafen auf verschiedenen Routen hinein nach Seoul und bieten damit ein breites Angebot bequem mit Koffern und Taschen zu seiner Unterkunft in Seoul zu gelangen.
Der Busfahrer fragt in der Regel beim Einsteigen, zu welcher Bushaltestelle ihr wollt und fährt dann meistens auch nur diese Stationen an. Deswegen ist die Fahrt nach Seoul hin meistens schneller, als die zurück zum Flughafen. Euer großer Koffer bekommt einen Aufkleber mit Nummer (ihr bekommt einen Abriss mit derselben Nummer) und wird unten im Kofferverschlag des Busses verstaut. Bei der Ankunft bekommt ihr gegen Vorlage euren Koffer ausgehändigt.
Eine Fahrt kostet je nach Entfernung vom Flughafen zwischen 7000 – 15000 Süd-Koreanische Won. Damit sind sie teuer, als die U-Bahn, aber um einiges bequemer.

Vergesst nicht:

Auf der Rückfahrt zum Flughafen fährt der Bus jede Station an und braucht dadurch doppelt so lange als auf der Hinfahrt. Bei meinem zweiten Aufenthalt dachte ich nicht daran und hatte eine sehr unentspannte Fahrt, weil die Zeit ziemlich drängte. Damit es euch nicht wie mir geht, plant euch viel Zeit ein. Am Flughafen gibt es außerdem viel zu sehen, da kann man auch etwas früher ankommen.

Je nach Standpunkt eure Unterkunft dauert die Fahrt vom Flughafen 1 – 2 Stunden. Achtet auf der Hinfahrt einfach auf die Fahrdauer.

Fernbusse (Inter City Busse)

Es gibt verschiede „Bus-Terminals“ in Seoul und den Flughäfen, von denen Inter City Busse zu anderen Städten fahren. Hier halten deshalb auch die Expressbusse.
Mit diesen Bussen ist es möglich, von Seoul in weit entfernte Städte Süd-Koreas zu gelangen. Es dauert zwar etwas länger als mit dem Zug, ist aber gemütlicher und komfortabler und manchmal sogar kostengünstiger.
Als ich meinen Urlaub in Gyeongju verbracht habe, wählte ich die Fahrt mit dem Inter-City-Bus, weil es günstiger war und die Fahrt überraschte mich. Normal bin ich ein Mensch, der im Sitzen nicht schlafen kann und absolute Ruhe brauche, um an Schlaf zu denken. Deswegen sind Flüge und eigentlich alle Reisen immer Stress für mich. In diesem Bus jedoch habe ich die komplette Fahrt verschlafen und wurde vom Busfahrer geweckt, der mir mitteilte, ich sei nun in Gyeongju. SUPER!
Preise variieren je nach Stadt, sind aber im Vergleich zu Deutschland spottgünstig. Ich habe umgerechnet 15 Euro für die Fahrt nach Gyeongju bezahlt (Gyeongju liegt in Richtung Busan).

Fahrpreise:

Grüner BusErwachsener1300 Won
Kinder450 Won
Blauer BusErwachsener1300 Won
Kind450 Won
Gelber BusErwachsener1200 Won
Kind350 Won
Roter BusErwachsener2400 Won
Kind1200 Won
Maeul BusErwachsener1000 Won
Kind300 Won
NachtbusErwachsener2250 Won
KInd1200 Won


Stadtteil-Zuordnung

0 – Jung-gu, Jongno-gu, Yongsan-gu
1 – Seongbuk-gu, Gangbuk-gu, Dobong-gu, Nowon-gu
2 – Seongdong-gu, Gwangjin-gu, Dongdaemun-gu, Jungnang-gu
3 – Songpa-gu, Gangdong-gu
4 – Seocho-gu, Gangnam-gu
5 – Geumcheon-gu, Dongjak-gu, Gwanak-gu
6 – Yangcheon-gu, Gangseo-gu, Guro-gu, Yeongdeungpo-gu
7 – Eunpyeong-gu, Seodaemun-gu, Mapo-gu

T-Money-Card
T-Money-Card

Tipps:

Benutzt man eine T-Money Card, bekommt man pro Fahrt einen Preisnachlass von 100 Won (umgerechnet 7 – 8 Cent).
Drei Kinder pro Erwachsenen unter 5 Jahren fahren umsonst.
Die angegeben Preise sind Basispreise für die ersten 10 km. Pro zusätzliche 5 km werden 100 Won aufgeschlagen.

Auch beim Aussteigen solltet ihr die T-Money-Card an den Scanner halten. Zum einen werden zusätzliche gefahrene Kilometer abgebucht, zum anderen loggt ihr euch auch aus dem Bus aus. Steigt ihr in der nächsten halben Stunde in den nächsten Bus oder U-Bahn, bekommt ihr dort außerdem noch eine recht erhebliche Ermäßigung (ermäßigtes Umsteigen ist nur bis zu fünfmal hintereinander möglich).

Bus fahren in Seoul – Höflichkeitsregeln:

1.) Man steht an der Bushaltestelle in einer Reihe an. Vordrängeln ist ein Zeugnis von mangelnder Erziehung und fehlenden Respekt anderen gegenüber.
2.) Die Busse werden außerdem nur beim Fahrer betreten. Dort wird entweder bar oder mit der T-Money Card am Scanner gezahlt.
3.) Ältere Menschen sitzen, jüngere stehen. Auch diese Regel wird sehr konsequent durchgesetzt.
4.) Um an einer Station aussteigen zu wollen, muss man den Haltewunsch-Knopf drücken, weil der Bus womöglich die Station sonst nicht angefährt.
5.) An der hinteren Tür wird ausgestiegen. Vergesst nicht, die T-Money-Card noch mal vor den Scanner zu halten.

Kartenscanner am Eingang
Kartenscanner am Eingang

Fazit:

Bei meinem ersten Aufenthalt in Seoul musste ich mich überwinden, den Bus zu benutzen. Ich befürchtete, meine Station zu verpassen, weil Busse an leeren Bushaltestellen nicht anhalten, wenn niemand aussteigen möchte. Mittlerweise nehme ich gerne den Bus, weil ich mir die (manchmal) langen Wege durchs U-Bahn-System erspare. Testet es selbst einmal aus.
Wenn ihr unsicher seid, könnt ihr den Fahrer auch bitten, euch an der Ziel-Haltestelle Bescheid zu geben. Die Busfahrer sind nett und helfen gerne.

Wenn ihr Fragen habt, oder selbst eine lustige Begebenheit erlebt habt, schreibt sie in den Kommentaren. Ich freue mich.

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