Chuseok

Chuseok – Nur Erntedank-Fest in Korea?

Chuseok – Als ich einmal Gyeongju besuchte, wirkte die kleine Stadt wie ausgestorben. Den Grund habe ich erst später herausgefunden. Es war Chuseok (추석), ein Fest der Familie und Ahnen.

Das Wort Chuseok bedeutet so viel wie Herbstabend und wird oft mit dem amerikanischen Thanks Giving verglichen. In Deutsch wird es oft als „Erntedank-Fest“ übersetzt. In Süd-Korea ist dieser Festtag jedoch viel bedeutungsvoller und gehört mit Seollal und Buddhas Geburtstag zu den wichtigsten Tagen des Jahres. Es ist ein offizieller Feiertag und wird jedes Jahr am 15. Tag des achten Monats nach dem Mondkalender geehrt. Für die Berechnung der alten Traditionsfeste wird der chinesische Mondkalender genutzt. Um die Wichtigkeit dieses Tages zu unterstreichen ist der Tag davor und auch danach eigentlich ein arbeitsfreier Tag. In diesem Jahr (2018) fällt das Fest auf den 23. bis zum 25. September.

Im chinesischen Kalender liegt Chuseok in der Mitte des Monats, weshalb er auch den Namen Hangawi (großartige Mitte) trägt.

Was wird gefeiert?

Während in China zum Mond-Neujahr oft neue Kleidung gekauft wird, ist es in Süd-Korea Tradition, ein neues Outfit für Chuseok zu kaufen. (Chuseokbim) Während früher echte traditionelle Kleidung getragen wurde, bekommt die westliche Mode dort mehr und mehr Zuspruch. Sie können praktischerweise auch während des Jahres getragen werden. Traditionell werden jedoch die alten Trachten genäht oder Schneiderinnen bestellt.

Am Tag vor dem Fest reist die Familie zum Familienoberhaupt. Das können Großeltern, die Eltern oder der älteste Bruder des Hauses sein.

Traditionen

Am Morgen des Chuseoks beginnen viele Familien mit dem Charye. Das sind Andachtsriten, um die Vorfahren und nahestehende verstorbene Verwandten zu ehren und ihnen für die guten Gelegenheiten im Jahr zu danken. Dabei werden Lebensmittel in bestimmter Reihenfolge auf einen Tisch arrangiert. Der Reis wird im Norden des Tisches platziert, Obst und Gemüse am südlichen Ende, Reiskuchen und Getränke im Osten und Fleisch auf die westliche Seite. Während der Charye-Riten werden die letzten vier Generationen geehrt, ihre Geister gerufen und um Schutz für die Zukunft gebeten.

Es gibt auch Familien, die aus Tradition zu den Heimatdörfern fahren, in der sie geboren und aufgewachsen sind, aber schon lange nicht mehr dort leben. Dort gehen sie spazieren oder besuchen alte Gräber und Urnen der Ahnen. Das nennen sie Seongmyo. Während des Besuchs spricht man mit dem Geist des Verstorben und lässt meistens ein Geschenk zurück. In den meisten Fällen handelt es sich hier um ein Getränk, etwas zu essen und/oder Blumen. Flächen werden gesäubert, Unkraut gejätet und aufgeräumt. Auch das ist eine Tradition und nennt sich Beolcho.

Wurde den Vorfahren und Ahnen genug Ehre erwiesen, werden die noch lebenden älteren Generationen von den jüngeren geehrt. Deswegen verbeugen sich die Jugendlichen und Kinder vor den Eltern und Großeltern. (Dazu mehr im Seollal-Beitrag). Kinder erhalten an dem Tag eine Art Festgeld, ein Geldgeschenk von der älteren Generation.

Am Abend genießt man die gemeinsame Zeit in der man zusammen Spiele spielt, dem Ssireum zuschaut oder sogar selbst antritt oder den Tänzen der Mädchen (Ganggangsullae) zuschaut.

Ssireum und Ganagangsullae

Ssireum ist eine Art Wrestling, das stark mit Chuseok verknüpft ist. Diese Kämpfe werden in den alten Dörfern ausgetragen, um herauszufinden, wer der stärkste Mann im Ort ist. Zwei Männer stehen sich im Kampf gegenüber und ringen solange, bis einer der beiden mit dem Rücken auf dem Boden liegt. Gewinner dieser Kämpfe ist, der als letztes steht und keine Herausforderer mehr vorhanden sind. Ihm gebührt der Titel: „Der stärkste Mann im Dorf“ und ein Preisgeld je nach Ortschaft z.B. ein Kalb, ein Sack Reis oder andere nützliche Dinge.

Ganggangsullae ist ein Tanz bei dem Frauen (gekleidet in Hanboks – traditionelle Kleidung für Frauen) rhythmisch im Kreis tanzen und sich dabei an den Händen halten. Oft singen sie dabei. Dieser Tanz wird traditionell an Chuseok getanzt und soll Freude bringen, aber auch die Traditionen ehren.

Festessen

Ein gemeinsames, familiäres Festessen darf natürlich nicht fehlen. Die Speisen werden aus saisonalen und regionalen Produkten hergestellt und mit Baekju (백주 – Weißer Alkohol) gereicht. Eine sehr traditionelle Speise an Chuseok ist das Songpyeon (송편 – Reiskuchen mit verschiedenen Füllungen). Seit jeher dankt man dabei traditionell für die gute Ernte und gefüllten Speisekammern. In der Gesellschaft der Familie erholte man sich deshalb von der harten Arbeit auf den Feldern und genoss den Aufgang des Vollmondes. Wegen diesem Brauch wird Chuseok oft als „Ernte-Dank-Fest“ bezeichnet, dabei ist es viel mehr.

Es gibt viele Möglichkeiten auch als Tourist Chuseok und seine Traditionen mitzuerleben. Ahnenrituale, Schaukämpfe oder traditionelle Rezepte zum Mitkochen werden in vielen Einrichtungen angeboten, variieren jedoch von Jahr zu Jahr. Orte die fast jedes Jahr in Seoul etwas anbieten sind:

  • Minsokchon (Traditionelles Dorf in der Nähe von Suwon
  • Changdeokgung (Seoul)
  • Jongmyo-Schrein (Seoul)
  • Namsangol (Traditionelles Dorf am Fußes des Namsans in Myeongdong)

Tipps an und vor Chuseok

Kaum ein Geschäft oder eine Sehenswürdigkeit ist an Chuseok geöffnet, deswegen ist Seoul wie leergefegt. Möchtet iht in einer fast menschenleeren Großstadt spazieren gehen, hättet ihr in dieser Zeit die Gelegenheit dazu. (Ausgenommen sind Einrichtungen, die speziell für Chuseok ein Programm vorbereiten.)

Am Tag vor und ein Tag nach Chuseok sind Züge, Busse und die Straßen überfüllt und Karten meist ausverkauft. Kein guter Reisetag! Eine sorgfältige Planung und Voraus-Buchung ist notwendig, sollte man sich in den Verkehrsstau einmischen wollen.

Busse und Bahn fahren am Chuseok nicht so häufig wie sonst, plant euch deshalb entsprechend Zeit ein.

Kirchengemeinden und Universitäten planen manchmal zu Feiertagen speziell für Ausländer oft nette Programme in den man traditionelle Speisen nachkochen kann. Vielleicht seid ihr in eurem Reisejahr auch zu Chuseok dabei.

Chuseok-Termine

13. September 2019
01. Oktober 2020
21. September 2021
10. September 2022

2 Antworten zu “Chuseok – Nur Erntedank-Fest in Korea?”

  1. Schöner Artikel!
    Ich liebe solche Feiertage!
    Es gibt nichts schöneres als mit der Familie ein paar ruhige und harmonische Tage zu verbringen.

    Aber vor allem solche Bräuche/Traditionen, die in Dörfern bei traditionellen Feiertagen Einzug halten, mag ich sehr. Wirklich toll! Da wäre ich gerne mal dabei. ^^ So was gibt es in (Groß)Städten nun mal nicht.

  2. Danke!
    Ich war zwar zu der Zeit in Gyeongju, leider hab ich es nur nicht frühzeitig gemerkt. Sonst hätte ich den Tag anders verbracht. ^^ Blöd von mir. Aber ich finde solche Feiertage auch immer sehr schön. Familie, Tradition usw. das fängt mich ja immer ein.

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