Erdbeben in Gyeongju . Nosedongpark bei Nacht

Erdbeben in Gyeongju – ein Ausnahmezustand

Erdbeben in Gyeongju – Mein Aufenthalt in Gyeongju war alles andere als langweilig. Die ersten Tage waren zwar verregnet, allerdings erlebte ich dort etwas, das ich in Deutschland bis dato nicht kannte – Erdbeben der Stärke 5.8 auf der Richterscala. In Deutschland wurde darüber nur im Internet berichtet, dennoch war es eine kleine Sensation und ein Ausnamezustand in Süd-Korea.

Erdbeben am Abend

Den ganzen Tag regnete es ununterbrochen, deswegen ließ ich es sehr ruhig angehen. Ich ging nur etwas einkaufen, schaute TV und ging meiner Leidenschaft nach: K-Dramen zu übersetzen. Mein Hotel lag 8 km vom Epizentrum entfernt, als das Zimmer am Abend des 12.Septembers 2016 zu ruckeln begann. Ich war etwas verunsichert, ob ich das Haus verlassen oder im Zimmer bleiben sollte. Als die Nachbeben begannen, zog ich meine Jacke an, steckte den Reisepass, mein Geld … und meine Tic Tacs ein. Weshalb ich die Tic Tacs einsteckte, weiß ich bis heute nicht. Als ich die Tür öffnete, stand der Gastwirt schon davor. Er warnte alle Gäste und bat uns auf den Parkplatz hinauszugehen. Mich beschlich ein bestürzendes Gefühl, es handelte sich tatsächlich um ein Erdbeben in Gyeongju. Verrückt!

So versammelten sich alle Hotelgäste. Der Regen war unangenehm und die Nachbeben wurden immer … lauter. Den Lärm kann man wohl am besten mit einem starken Gewitter vergleichen. Die Erschütterungen im Boden sind ein eigenartiges Gefühl, wenn man so etwas zum ersten Mal erlebt. Der Gleichgewichtsinn zwingt eine manchmal seltsame Kariole auf und die immer stärker werdenden Nachbeben hinterließen außerdem in mir ein leicht mulmiges Gefühl in der Magengegend, zumal die Abstände der Beben immer kürzer wurden.

Zum Glück hatte ich mich zuvor noch nicht umgezogen, sonst hätte ich wahrscheinlich, wie einige andere, im Nachthemd oder nur im Unterzeug im Regen gestanden. Zu meiner Freunde hörte ich einige deutsche Sätze und gesellte mich zu der vierköpfigen Gruppe. Ich war tatsächlich nicht die einzige Deutsche in dem kleinen Hotel. Was für ein Glück. Über Lautsprecheransagen und Radio wurde in der Stadt aufgerufen, sich über Nacht nicht in den Häusern aufzuhalten, in Parks zu sammeln oder sich zumindest nur in unteren Stockwerken der Gebäude aufzuhalten.

Nachts unterwegs in Gyeongju

Als mein Grüppchen sich entschied zum nahegelegenen Nosedong-Park zu gehen, von dem ich im zweiten Teil berichtete, sahen wir einige Verwüstungen. Viele kleinere Mauern waren umgefallen, Glasscheiben hatten Sprünge oder waren komplett zerbrochen. Wände waren mit Risse verziert und auch Straßen waren nicht unversehrt geblieben.  

Erdbeben in Gyeongju - der Nosedongpark bei Nacht
Erdbeben in Gyeongju – der Nosedongpark bei Nacht

Im Park setzten wir uns auf eine überdachte Bankreihe und unterhielten uns, woher wir kamen, wohin man wollte und wurden immer wieder von Nachbeben unterbrochen. Es folgte außerdem auch noch ein zweites schwereres Erbeben.

Irgendwann machte sich unsere Gruppe auf, etwas zum Trinken zu suchen. Zum Glück hatten alle kleinen Minishops auf, so konnten wir uns mit Getränken und Kekse eindecken. Mehrere Cafés, die normal zu der Zeit geschlossen hatten, boten heißen Kaffee und WLAN. Sie stellten sogar Verlängerungskabel mit Mehrfach-Steckdosen zur Verfügung, damit man Handys aufladen konnte.  Es war sehr angenehm, nach der langen Zeit im Nieselregen dort unterzukommen.

Da ich befürchtete, dass in Deutschland vom Erdbeben in Gyeongju berichtet wurde, schrieb ich meinen Eltern per Internet, dass es mir gut ginge. Wahrscheinlich habe ich sie jedoch eher beunruhigt, denn sie verfolgten die Ereignisse daraufhin im Internet.

Überfüllte Bus-Terminals

Auch viele Koreaner waren mit der Situation überfordert. Ich erfuhr, dass es schon seit Jahrzehnten keine vergleichbare Naturgewalt in Korea gab. Ein Pärchen aus der Gruppe, das eigentlich erst am nächsten Tag nach Seoul reisen wollte, überlegte, sogleich mit dem Bus nach Seoul zu fahren. Zu unserer Überraschung waren beide Bus-Terminals in Gyeongju überfüllt mit Koreanern. Sämtliche Tickets waren verkauft, die Busse überfüllt und die Warteschlangen mit gepackten Koffern an den Bussen wurden immer länger.

Mit einer solchen Panik hatte ich nicht gerechnet. Da ich mit der Situation recht entspannt umging und es als ungewöhnlich, aber nicht als gefährlich einstufte, verunsicherte mich dieser Anblick. Wenn sogar die Einheimischen das Weite suchen…
Aber wem kann man Angst verübeln? Diese Beben waren die ersten seit 1978. An sowas hatte nur die ältere Generation noch Erinnerungen und niemand kann außerdem vorhersehen, was noch hätte geschehen können.

Entwarnung vom Erdbeben in Gyeongju

Wir saßen bis vier Uhr morgens im Freien, als die Entwarnung durch die Lautsprecher kam. Dieses Ereignis war eine unglaubliche Erfahrung. In Gyeongju packte ich deswegen jeden Abend eine Notfalltasche, falls ich ein weiteres Mal hinausstürmen müsste.

Die Nachbeben hielten noch einige Tage an, doch wurde es merklich ruhiger. Ich staunte über mich selbst, als ich feststellte, dass mir etwas fehlte. Natürlich wünsche ich mir und anderen kein neues Erdbeben, doch etwas an solchen Ereignissen lässt mich immer wieder erstaunen: In Gefahren rücken Menschen zusammen! Warum eigentlich nur dann?

Das Erdbeben in Gyeongju lief in den koreanischen Medien einige Tage und im TV wurden Verhaltensregeln im Falle eines erneuten Erdbebens gezeigt. Für ein nächstes Erdbeben war ich also vorbereitet.

5 Antworten zu “Erdbeben in Gyeongju – ein Ausnahmezustand”

  1. Das ist ein sehr guter Bericht, es ist schon eine Erfahrung die man nicht so schnell vergisst.
    Das ist leider war das die Menschen nur bei Gefahr zusammen rücken und helfen.

  2. Hallo Aiwa! Herzlich Willkommen hier.

    Ja, das war eine Erfahrung, die man nicht so schnell vergisst. Aber nicht im negaitiven Sinne. Es war schon aufregend. ^^
    Bist du DIE Aiwa, die ich schon kenne? ^^

    Lieben Gruß
    Nuri^^

  3. Hallo Nuri, ich bis es 😉 schön wieder von dir zu lesen. Ich habe von deinem anderen Forum den Hinweis gefunden und gleich staunend um gesehen ich sage nur „sehr schön“

    Lg Aiwa

  4. Ui ui ui, von diesem Erdbeben hab ich tatsächlich nichts gehört.

    Ist wahrscheinlich ein wenig beunruhigend gewesen, nehme ich an. Schön finde ich, dass die Cafés ihren Betrieb nicht geschlossen hatten um den Menschen, Unterkunft zu gewährleisten.

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