Yangdong Maeul

Traditionelle koreanische Dörfer – Yangdong Maeul

Yangdong Maeul – Nachdem ich in den anderen Beiträgen vom Westen Gyeongjus erzählte, zog es mich diesmal in den Norden. Wer etwas von Koreas Kultur kennenlernen möchte, kommt nicht umhin, sich eines der traditionellen Dörfer anschauen. Die Atmosphäre und Liebenswürdigkeit der alten Häuser gibt einen interessanten Einblick ins frühere Leben. Die Ausstrahlungskraft dieser Dörfer ist außergewöhnlich. Wer das Wort „entschleunigt“ noch nicht kennt, wird es dort kennenlernen.

Yangdong Maeul - Tor zu einem traditionellen Haus
Yangdong Maeul – Tor zu einem traditionellen Haus

Bei Dörfern, wie Minsokchon bei Suwon oder Namsamgol in Seoul, handelt es sich um verschiedene Arten traditioneller Häuser, die eigens zum Zwecke der Besichtigung nachgebaut wurden. Zumeist sind dort Dinge ausgestellt, die anhand von Schildern erklärt werden, um der heutigen Generation und Touristen über die frühere Lebensweise aufzuklären. Außerdem wird das Minsokchon sehr oft als Filmkulisse genutzt. Wenn ich zu Hause ein Historiendrama anschaue, freue ich mich immer, wenn ich sagen kann: Da war ich!

Yangdong Maeul, ein Dorf aus der Vergangenheit

Das Dorf Yangdong Maeul (Maeul=Dorf) ist anders. Es liegt in der Nähe von Gyeongju und besteht aus 150 traditionellen Häusern. Dort leben und arbeiten noch immer ca. 400 Menschen. Allein das ist Grund genug, Yangdong Maeul einen Besuch abzustatten.

Yangdong Maeul
Yangdong Maeul

Das im 15. Jahrhundert gegründete Dorf liegt ca. 20 Kilometer nördlich von Gyeongju und ist mit 40 Minuten Busfahrt (Buslinie 203) bequem zu erreichen. Der Bus hält auf einem großen Parkplatz direkt vor dem Dorf. In wenigen Minuten erreicht man die ersten Häuser zu Fuß. Der Bus fährt nur alle 1,5 Stunden, deshalb plant also schon im Voraus, zu welcher Uhrzeit ihr fahren möchtet. Für die Rückfahrt hängt der englische Busfahrplan am Tourist-Information-Häuschen aus. Schreibt die Zeiten auf, damit ihr rechtzeitig zu den Abfahrtszeiten wieder zurück seid.

Yangdong Maeul  - Blick über die Dächer
Yangdong Maeul – Blick über die Dächer

Eine kleine Panne

Ich stand früh auf, um den Vormittag in Yangdong Maeul zu verbringen und wartete deswegen gut gelaunt an der Bushaltestelle. Nachdem die vorgegebene Abfahrtszeit überschritten war und der Bus nicht vorfuhr, wurde ich unruhig. Deswegen suchte ich auf dem koreanischen Busfahrplan an der Haltestelle nach dem Grund. Eine ältere Dame bemerkte mein Bemühen und kam mir zu Hilfe. Sie sprach weder Deutsch noch Englisch, aber wir konnten uns mit meiner bescheidener Sprachkenntnis und Gestik gut verständigen. Ich deutete auf den Namen meiner Haltestelle auf den Plan und sie zeigte auf die Bushaltestelle – auf der anderen Seite der Straße. So ein Pech! Der nächste Bus käme viel zu spät.

Also ging ich deswegen zum Taxi-Stand. Für die 20 Kilometer nach Yangdong Maeul bezahlte ich 30.000 Won (ca. 25 Euro). Das war es mir wert. Ich hatte einen netten Taxifahrer, der mir während der Fahrt hier und da ein paar interessante Dinge zeigte oder mich auf Kleinigkeiten aufmerksam machte. So kam ich mit dem Taxi zum Eingang des Dorfes und war wesentlich schneller als geplant dort.

In der Vergangenheit

Neugierig machte ich mich auf dem Weg, das Dorf zu erkunden. Das Wetter spielte mit. Ich war froh, früh angekommen zu sein, denn das Dörfchen wirkte noch verschlafen, was mir sehr gefiel. Als Erstes entdeckte ich eine Schule. Sie wurde ins Tal gebaut, während andere Häuser malerisch auf Hügeln stehen. Ein großartiger erster Eindruck! Mehrere Jahrhunderte lang war Yangdong eine „Clan- und Yangban- Gemeinschaft“. Mit Yangban wurde die Oberschicht in der Joseon-Dynastie bezeichnet.

Yangdong Maeul - Eingang zu einem Haus
Yangdong Maeul – Eingang zu einem Haus

Morgens um halb acht ist vom Besucheransturm noch nichts zu spüren. An der Touristeninformation bekommt man eine sehr simpel gestaltete Straßenkarte, die allerdings nicht genau und auch nicht einfach zu lesen ist. Besonders, wenn man ein „Karten-Legastheniker“ ist wie ich. Dank der Hinweissteine für die fünf größten Ausstellungshäuser findet man sich aber gut zurecht.

Wichtig: Die Häuser sind bewohnt und dürfen deswegen nicht betreten werden. Es gibt jedoch fünf Ausstellungshäuser, die zum Besuch einladen. Die Tore zu den Grundstücken werden ab 9 Uhr geöffnet. Hinweisschilder erklären außerdem den geschichtlichen Hintergrund zu den jeweiligen Anwesen.

Die Häuser

Ich bin fast drei Stunden durchs Dorf gewandert. Es war ein ruhiger, entspannter Spaziergang und weil ich zeitig ankam auch menschenleer. Das Dorf liegt auf mehreren Hügeln, deswegen sind die Wege auch dementsprechend. Dadurch ergeben sich aber wahrlich sehr schöne und malerische Ausblicke ins Tal.

Yangdong Maeul
Yangdong Maeul
Yangdong Maeul
Yangdong Maeul
Yangdong Maeul
Yangdong Maeul
Yangdong Maeul
Yangdong Maeul – Anwesen mit einem Schrein
Yangdong Maeul - Anwesen mit einem Schrein
Yangdong Maeul – Anwesen mit einem Schrein 2
Yangdong Maeul
Yangdong Maeul
Yangdong Maeul
Yangdong Maeul

Die Häuser sind alle sehr unterschiedlich. Die Wohnhäuser, in den die Yangban lebten, sind restauriert und eines der Häuser hat sogar einen eigenen Schrein. Ein Zeichen dafür, dass hier einst eine wohlhabende Familie lebte. Bei den kleineren Bauernhütten gibt es große wie kleine Bauten, einige sind wunderschön anzuschauen, andere sind etwas verfallen. Etwas unpassend wirken vereinzelnde Satellitenschüsseln an Häuser und oberirdische Stromkabel – aber wer kann es den Einwohnern nicht zugestehen? Was mir besonders gefiel, war das unverfälschte Bild eines verträumten Dorfes. Trotzdem ständig Touristen mit großen Reisebussen ankommen, wird auf dafür extra angelegte Blumenbeete und geteerte Straßen verzichtet. Bäume, Wiesen und Blumen wachsen wild, und hier und da entdeckt man ein kleines Gemüsefeld. Nichts wirkt gestellt oder fehl am Platz. Alles ist echt, das macht den Charme dieses Dorfes aus.

Wer mit dem eigenen Leihwagen anfährt, muss es auf dem großen Parkplatz gegen eine kleine Aufpasser-Gebühr abstellen. Nur Ortsansässige dürfen kurz mit dem eigenen PKW zum Entladen ins Dorf fahren.

Öffnungszeiten: Rund um die Uhr geöffnet, da frei zugänglich
Eintrittspreis: keine Kosten
Toiletten: keine
Getränke: keine
Souvenirs: keine
Bus: 203

Großer Parkplatz vor dem Yangdong Maeul
Großer Parkplatz vor dem Yangdong Maeul

Rückweg

Vor dem Ansturm der Touristen machte ich mich wieder auf dem Rückweg. An der Touristeninformation erfuhr ich, dass an Wochenenden hin und wieder einige Showprogramme abgehalten werden. Dann ist jedoch auch mit mehr Touristen zu rechnen. Ich war froh, wochentags Yangdong Maeul besucht zu haben.

Mit dem Bus fuhr ich zurück ins Stadtzentrum von Gyeongju, um mich dem nächsten Ziel zu widmen. Der Morgen war schön gewesen, sodass ich mich voller Elan in den Süden Gyeongjus aufmachte. Ursprünglich, wollte ich mir dort nur ein, zwei Dinge ansehen. Wie es aber oft der Fall ist, wurde daraus weit mehr. Davon erzähle ich in einem anderen Beitrag.

Andere traditionelle koreanische Dörfer, die ich empfehlen kann:

  • Minsokchon (Freilichtmuseum und Filmkulisse) in der Nähe von Suwon      
  • Namsangol (kleines Freilichtmuseum und Showbühne) in Seoul, Myeongdong (am Fuße des Namsans)      
  • Bukchon (restaurierte und bewohnte Häuser) gehobenes Stadtteil in Seoul, zwischen den Palästen
  • Jeju-Folk-Village bei Pyoseon-myeon (Freilichtmuseum) im Süden von Jeju-do, nordwestlich von Seogwipo
  • Seongeup (bewohntes Dorf ) etwas weiter nördlich von Seogwipo auf Jeju-do

Wer einmal nach Gyeongju fährt und alte traditionelle Häuser mag, kann ich Yangdong Maeul wärmstens ans Herz legen.

2 Antworten zu “Traditionelle koreanische Dörfer – Yangdong Maeul”

  1. Liegt denn der bewohnte Dorfteil inmitten des zu betrachtenden Schauplatzes, oder ist er doch etwas weiter abgetrennt?
    Denn ich könnte mir vorstellen, dass sich die Dorfbewohner ein wenig gestört fühlen wenn andauernd Touristen ins Dorf kommen und ihnen quasi direkt über die Schulter schauen. ^^
    Es ist ja immerhin ein bewohntes Dorf, da wollen die wahrscheinlich mal ihre Ruhe haben. 🙂

    1. Die fünf Häuser stehen irgendwo verstreut im kompletten Dorf. ^^ Das Dorf ist aber sehr weitläufig und deswegen auch sehr schön für einen Spaziergang. Aber somit leben die Menschen dort, wo sich auch die Touristen sich herumtummeln. Ich denke jedoch, ihnen wird aber schon gesagt, dass es sich um Grundstücke handeln, die nicht betreten werden dürfen. Aber du hast recht, es gibt sicherlich Zeiten, in denen sich die dort lebenden Menschen gestört fühlen könnten.

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