U-Bahn in Seoul

U-Bahn in Seoul

U-Bahn in Seoul – Seoul besitzt ein sehr gut aufeinander abgestimmtes Verkehrsnetz. In verschiedenen Beiträgen werde ich die Möglichkeiten der Fortbewegung wie zum Beispiel mit Bus, Bahn oder Taxi in Seoul vorstellen. In diesem Beitrag berichte ich vom U-Bahnsystem in Seoul und werde außerdem Verhaltenshinweise und Tipps geben.

Die U-Bahn in Seoul

Generell bietet die U-Bahn die Möglichkeit mit wenig Aufwand schnell von A nach B zu gelangen. Das U-Bahnsystem in Seoul (서울 지하철) steht westlichen Großstädten in nichts nach.

In einer leeren U-Bahn
In einer leeren U-Bahn

Das 1974 eröffnete Liniennetz in Seoul gehört nach New York City mit 607 Stationen und 19 Linien zum größten U-Bahnnetz der Welt. Jährlich werden auf dem Schienennetz 2,5 Milliarden Fahrgäste transportiert und wird stetig ausgebaut. Eine Gesamtstrecke von 976 km verbindet Seoul mit den Satellitenstädten wie Incheon und Suwon und lässt die Städte immer weiter zusammenwachsen.

Das Streckennetz wird von verschiedenen Gesellschaften betrieben und lässt sie oft an den Bauform der Züge erkennen. In der Nacht gegen 1 Uhr pausiert der Hochbetrieb bis auf wenige Ausnahmen auf den Schienen und steht erst am frühen Morgen wieder zur Verfügung. Im Stadtkern frequentieren die Bahnen im 1-5 Minuten-Takt. Je weiter man sich davon entfernt, gibt es Wartezeiten von 10 bis 20 Minuten.

Ich muss zugeben, bei meiner ersten Reise nach Seoul war es abenteuerlich, sich bei den vielen Strecken und Bahnhöfen zurechtzufinden. Oft stand ich deswegen mit der Streckenkarte vor den Haltestellen, um zu schauen, in welche Richtung ich fahren muss. Überraschend fand ich außerdem, wie sauber und intakt alles wirkte. In den Stationen um Apgujong und Gangnam sieht es äußerst luxuriös aus, während sie in Buckchon und nahe den Palästen wunderschön alt und traditionell gestaltet wurden. Alle WCs sind blitzblank und werden ständig gereinigt.
Extra-Tipp: Habt immer (Taschen-)Tücher für die WCs dabei. Es gibt nicht überall Toilettenpapier oder sie werden an Automaten verkauft.

U-Bahn Steckennetz in Seoul
U-Bahn Steckennetz in Seoul

U-Bahnstationen

Um das Streckennetz übersichtlich zu gestalten, ließen sich die Koreaner etwas einfallen. Sie gaben den Linien nicht nur Nummern, sondern zusätzlich eine bestimmte Farbe, um die Orientierung auch optisch zu erleichtern. Diese Farbzuteilung umfasst das gesamte U-Bahnsystem, den Straßenkarten und alle Wegweiser in Seoul. Eine gelungene Idee, denn ich muss gestehen, ich verknüpfe viele Haltestellen eher mit einer Farbe und finde damit meinen Weg sehr viel leichter.

U-Bahnstation Eingang
U-Bahnstation Eingang

Die U-Bahnstationen sind unglaublich groß und haben deswegen mehrere nummerierte Eingänge, die mit dem Namen der Station (auf koreanisch und englisch) und den Farben der jeweiligen U-Bahn gekennzeichnet sind. Es gab schon Tage, an denen ich mehrere Kilometer unter den Straßen Seouls spazieren ging. Nicht nur, dass die Wege beim Umsteigen manchmal sehr weit sein können, oft sind die U-Bahnstationen mit unterirdischen Verkaufsstraßen verbunden und bieten bei Regen einen angenehmen Schutz.

Shoppingcenter an der U-Bahnstation
Shoppingcenter an der U-Bahnstation – sehr spät am Abend.

Meistens hängen an den verschiedenen Ausgängen Straßenkarten für die nähere Umgebung, in denen Verkaufscenter, Sehenswürdigkeiten, Schulen oder Firmen eingezeichnet sind. Aber Vorsicht! In Süd-Korea zeigen die Karten nicht immer gen Norden.

Nachdem ihr die U-Bahnstation betreten habt, steht ihr meistens vor der Aufgabe, anhand der Schilder auszuwählen, welche U-Bahn für euch die richtige wäre und in welcher Richtung ihr einsteigen müsst. Habt ihr die Farbe herausgefunden, braucht ihr nun die Richtung. Bei meinem ersten Aufenthalt in Seoul habe ich mir deswegen eine U-Bahnstrecken-Übersicht ausgedruckt und immer im Täschchen dabeigehabt. Woher sollte ich schließlich wissen, welche Stationen auf meinem Weg lagen oder nicht? Mittlerweile gibt es viele kostenlose Apps, die euch U-Bahn, Richtung und Fahrzeit anzeigen. Denkt aber daran, dafür braucht man WiFi.

Fahrkarten

U-Bahnstation, links Fahrkartenautomaten, geradeaus Eingang zum Schienenbereich, darüber Schilder und Wegweiser in den entsprechenden Farben der Linien. Gelbe Linien am Boden sind zur Orientierung für blinde Fahrgäste.
U-Bahnstation, links Fahrkartenautomaten, geradeaus Eingang zum Schienenbereich, darüber Schilder und Wegweiser in den entsprechenden Farben der Linien. Gelbe Linien am Boden sind zur Orientierung für blinde Fahrgäste.

Anschließend müsst ihr den Bahnsteigbereich betreten. Diese sind durch Schranken oder Drehkreuze abgesperrt. Um diesen Bereich betreten zu können, braucht ihr deswegen eine gültige Fahrkarte. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder seid ihr im Besitz einer T-Money-Card oder müsst in dafür bereitstehenden Automaten eine Einzelfahrkarte kaufen. Bei der Einzelfahrkarte bekommt ihr eine Plastikkarte ausgehändigt, die mit Pfand (500 Won) versehen ist und am Zielort im Automaten wieder abgegeben werden kann. Mit dieser Karte oder der T-Money-Card geht ihr zurück zu den Schranken bzw. den Drehkreuzen, haltet die Karte an den dafür vorgesehenen Scanner und könnt euch weiter auf den Weg zur Bahn machen. Das Geld wird, ob ihr nun eine T-Money Card oder eine Einzel-Fahrkarte habt, abgebucht.

Glastüren und Schienen

Habt ihr erfolgreich eure Strecke gefunden, die Fahrt bezahlt und seid den Schildern gefolgt, steht ihr plötzlich vor geschlossenen Glastüren.

U-Bahn-Schienen und geschlossene Türen
U-Bahn-Schienen und geschlossene Türen

Tatsächlich sind die Schienen mit langen Glaswänden und Türen abgetrennt. Sie schützen nicht nur vor Staub, Lärm und lästigen Geruch, sie dienen hauptsächlich der Sicherheit. Die Glastüren öffnen sich, sobald die U-Bahn eingefahren und zum Stillstand gekommen ist.

U-Bahn-Station: Stationsinformationen auf koreanisch und englisch. Farblich unterlegt.
U-Bahn-Station: Stationsinformationen auf koreanisch und englisch. Farblich unterlegt.
U-Bahn-Station:  Stationsinformationen auf koranisch und englisch.
U-Bahn-Station: Stationsinformationen auf Koranisch und Englisch. Ausnahmen bestätigen die Regel, die Lila-U-Bahn ist mit Rot unterlegt.

Oberhalb der Türen gibt es zur Orientierung die farbliche Untermalung der U-Bahnstrecke, den Namen der Station, sowie rechts und links daneben die Nachbarstation, aus der der Zug kommt und wohin er fährt. Spätestens da könnt ihr anhand des Pfeils sehen, ob die Bahn in die richtige Richtung fährt. Zusätzlich zum Stationsnamen seht ihr noch Nummern. In Seoul hat jede U-Bahnstation eine eigene Nummer, so dass im Notfall eine eindeutige Ortsangabe durch die Nummer erfolgen kann.

Alle Informationen, werden meistens auf Koreanisch, Englisch, Japanisch und Chinesisch angezeigt oder angesagt.

Kommt ihr an euren Zielbahnhof an, haltet eure Fahrkarte oder die T-Money Card bereit. Wollt ihr den Bahngleisbereich verlassen, müsst ihr ein weiteres Mal durch die Schranken und logt euch damit außerdem aus diesem Bereich aus. Wer mehr als 10 km fährt bezahlt zusätzlich noch ein paar Won. (Siehe unten Preisübersicht)

Ich war überrascht, wie günstig und einfach es ist, in Korea Busse und Bahnen zu benutzen. Zudem liebe ich die T-Money Card. Weil sie vielseitig anzuwenden ist, empfehle jedem bei einem längeren Aufenthalt diese Karte zu nutzen. Zu gern hätte ich ein solch ausgeklügeltes und kostengünstiges Beförderungssystem in meiner Stadt.

Preisübersicht für Bahnfahrten in Seoul

Preise fürEinzelfahrkarteT-Money-Card
Erwachsene ab 19 Jahren1350Won1250Won
Jugentliche ab 13 bis 18 Jahren1350Won720Won
Kinder ab 7-12 Jahre450Won450Won
  • Die oben genannten Preise sind Basispreise und gelten für Fahrten unter 10 km
  • Zusätzliche Kosten bei zusätzliche 5 km: 100 Won
  • Zusätzliche Kosten bei über 50 km: 100 Won pro 8 km
  • Kinder unter 6 Jahren fahren kostenlos
  • Für die Everline, U-Line und die Sinbundang Line sind die Kosten für eine Fahrt höher (1300-1750 Won.)

Regeln zum Einsteigen in die U-Bahn

Oft wird es voll, wenn man zur ungelegenen Zeit am Bahnsteig steht. Um das Ein- und Aussteigen deswegen zu erleichtern, gibt es zwei Grundregeln:

1. Personen zuerst aussteigen lassen, bevor man den Zug betritt.
2. In Korea stellt man sich vor den Glastüren links und rechts an und lässt die Mitte frei, damit Passagiere aussteigen können. Sind alle heraus, steigt man ohne zu drängeln in die Bahn. Merke: Wer zuerst ansteht, geht auch zuerst hinein! Höflichkeit wird in Korea hoch bewertet. 
3. In der U-Bahn unterhält man sich leise. Viele Fahrgäste versuchen in der U-Bahn nach getaner Arbeit auszuruhen. Natürlich gibt es auch unter Koreanern Ausnahmen, die in der U-Bahn laut telefonieren oder sich unterhalten. Kommt aber sehr selten vor.

Zusätzliche Tipps

Expresszüge

Gegen Abend gibt es Expresszüge, die kleinere U-Bahnstationen nicht anfahren. Sollte euer Ziel oder euer Hotel an einem solchen Bahnhof liegen, achtet deswegen auf die Ansage am Bahnsteig und schaut euch den ausgehängten Zeitplan an. Dort werden die Expresszüge aufgelistet.

U-Bahn in Seoul: Fahrplan in Seobinggo
U-Bahn in Seoul: Fahrplan in Seobinggo

Einordnen beim Aussteigen

In vollen Zügen kann es zu Stoßzeiten schnell eng werden. In jedem Wagon ist deshalb eine Ansicht neben der Tür, auf welcher Seite die Tür bei jedem Bahnhof öffnet. Ordnet euch rechtzeitig ein, um an der Haltestelle problemlos ohne Gedränge aussteigen zu können. Außerdem wird bei jedem Bahnhof angekündigt, zu welcher Seite die Türen sich öffnen werden.

Sitzplätze für schwangere, ältere und verletzte Fahrgäste

Sitzt ihr auf Plätzen, die für Schwangere, Ältere, Verletzte oder Kinder ausgeschildert sind, solltet ihr aufstehen, wenn einer aus dieser Gruppe den Wagon betritt. Es könnte sonst sein, dass eine temperamentvolle Ahjumma ansonsten etwas lauter wird. Ich spreche aus Erfahrung. Nach einer anstrengenden Bergwanderung setzte ich mich sehr müde aus Platzmangel auf einem dieser Plätze und warf einen neugierigen Blick in meinen Reiseführer. Deswegen übersah ich, dass an einer Station ein älterer Herr zustieg. Als ich aufsah, schimpfte schon eine Dame mit lockigem kurzem Haar und gestikulierte aufgebracht mit ihren Händen. Natürlich gab sie mir zu verstehen, ich solle endlich aufstehen, weil dies respektlos sei. Seitdem setze ich mich deshalb vorsichtshalber nicht mehr als solche Plätze.

U-Bahn in Seoul: Extrasitze für Verletzte, Schwangere und ältere Fahrgäste
U-Bahn in Seoul: Extrasitze für Verletzte, Schwangere und ältere Fahrgäste

Wenn ihr jemandem Platz gemacht habt, kann es vorkommen, dass derjenige euch eure Tasche abnimmt. Das ist nicht böse gemeint, sondern soll nur seine Dankbarkeit zeigen. Schließlich darf er sitzen und da wird keine Tasche zu schwer.

Hausierer

Manchmal befinden sich – außerhalb der Hauptverskehrzeiten – Hausierer in der U-Bahn. Ein lustiger Anblick, wenn jemand versucht, Ware an den Mann oder die Frau zu bringen. Manchmal sind sogar nützliche Dinge wie Regenschirme oder Handventilatoren dabei.

Wagons mit Platz für Fahrräder, Kinderwägen oder Koffer

Im ersten und letzten Wagon sind Stellmöglichkeiten für Fahrräder, Kinderwagen und Koffer. Das ist an den Wagons jedoch auch außerhalb gekennzeichnet, schaut euch deswegen draußen die Beschriftungen an.

Rolltreppen in der U-Bahn in Seoul. Regel hier: Rechts stehen, links gehen. Macht Platz für die, die es eilig haben.
Rolltreppen in der U-Bahn in Seoul. Regel hier: Rechts stehen, links gehen. Macht Platz für die, die es eilig haben.

Rolltreppen und Fahrstühle

An stark besuchten und tief liegenden Stationen gibt es Aufzüge und Rolltreppen. Es kam jedoch auch vor, dass ich mit einem 23 Kg schweren Koffer in der einen Hand, einem 8 Kg Koffer in der anderen Hand und vollgepacktem Rucksack viele Treppen hoch und runterschleppen musste. Seht euch in den Bahnstationen um, wo und ob ihr einen Fahrstuhl findet. In den meisten Fällen gibt es einen, benötigt womöglich aber einen kleinen Fußmarsch.

Fazit

Die Orientierung und Gewöhnung an die Sitten und das U-Bahnsystem in Seoul ist nicht besonders schwierig. Wer sich einmal damit fortbewegt und sieht, wie schnell man größere Strecken hinter sich bringen kann, wird diese einfache und schnelle Art in seiner Heimatstadt vermissen. Ich wünsche viel Spaß beim Erkunden des U-Bahnsystems – es hält außerdem immer wieder eine nette Überraschung bereit.

3 Antworten zu “U-Bahn in Seoul”

  1. Wieder mal ein toller Artikel!
    Erinnert mich sehr stark an das wiener U-Bahnsystem, nur viel moderner (Glastüren bei den Gleisen, Drehkreuze per Chipkarte).
    Die Preise für die Fahrten sind richtig günstig. In Wien kostet eine Einzelfahrt (eine Richtung) €2,40.

    Aber 19! Linien… o.O
    Soul ist wirklich gut vernetzt. Wozu überhaupt noch Autofahren? 😀

    Das mit den Hausierern finde ich witzig ^^

  2. Hallo

    Erst einmal danke für diesen super Beitrag.Dennoch muss ich sagen,das mich das ganze Schienennetz ect.immer noch sehr verunsichert. Liegt vielleicht auch daran,das ich keine 20 mehr bin,selbst sehr selten Bus oder Bahn fahre.
    Wir fliegen im Sommer das erste Mal nach Korea und unser Hotel ist in Gangnam,wir landen mit dem Flieger in Incheon.
    Bis jetzt bin ich immer noch am grübeln,wie wir am besten/günstigsten zum Hotel kommen.
    Schaue mir die ganze Zeit soviele Infoseiten dazu an,aber irgendwie macht es mit nicht wirklich ruhiger. Diese ganzen Nummern/Farben ect.

    1. Wenn ihr es am einfachsten haben wollt, nehmt die Airportbusse/limousine. Kostet 10000-20000 Won und ist wirklich einfach entspannt.
      Ihr geht, wenn ihr am Flughafen ankommt, einfach zur Info. Dort könnt ihr euch mit Kartenmaterial versorgen und fragen, welchen Bus ihr nehmen müsst, der nach Gangnam fährt. Sie sagt euch auch, wo ihr die Tickets kaufen dafür kaufen könnt. Denkt an eine Wegbeschreibung oder Karte zu euren Hotel, nicht dass ihr dort steht und nicht wisst,wo ihr plötzlich seid^^) Allerdings kann ich euch sagen, dass Gagnam ja wirklich auf der komplett anderen Seite von Seoul liegt, deswegen wird die Fahrt (egal ob Bus oder U-Bahn) schon etwas dauern. Dennoch ist es eine schöne Gelegenheit, die ersten Eindrücke während der Fahrt zu erlangen. Ihr könnt euch auch in die U-Bahn setzen, ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die meistens voll sind und man selten einen Sitzplatz bekommt und die ganzen Koffer stören. Dann gebe ich gerne die 10.000 Won aus, um in einem Bus gemütlich durch die Stadt zu kurven.

      Vom Flughafen würde ich nur die Airportbusse oder U-Bahn nehmen. Taxi könnt bei der Strecke etwas teuer werden.
      Die bunten Busse sind für den Stadtverkehr und fahren viel zu lange.
      Für den ersten Besuch und Erkundungstouren empfehle ich auch vorerst die U-Bahn zu nehmen, da es dort übersichtlicher ist. Busse sind dann die nächste Levelstufe. ^^
      Wenn du Fragen hast, kannst du mich gerne immer wieder anschreiben, ich freue mich, wenn ich helfen kann. ^^

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